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Formsprühen im Druckguss: Warum Trennmittel, Sprühbild und Kühlung entscheidend sind

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FISS Wissen · Druckguss

Formsprühen im Druckguss: Warum Trennmittel, Sprühbild und Kühlung entscheidend sind

Sobald das Gussteil aus der geöffneten Druckgießform entnommen wurde, beginnt unmittelbar die Vorbereitung auf den nächsten Schuss. Die Werkzeugoberflächen müssen gereinigt, bei Bedarf gekühlt und mit einer definierten Menge Trenn- oder Schmiermittel behandelt werden. Die Formsprühtechnik trägt damit wesentlich dazu bei, reproduzierbare Bedingungen von Zyklus zu Zyklus zu schaffen.

Kurzantwort

Welche Aufgabe hat das Formsprühen im Druckguss?

Formsprühmaschinen und Sprühroboter behandeln die geöffnete Druckgießform zwischen zwei Gießzyklen. Je nach Anwendung tragen sie Trennmittel auf, blasen lose Rückstände aus, beeinflussen die Oberflächentemperatur und schmieren ausgewählte bewegliche Werkzeugkomponenten.

Ziel ist nicht eine möglichst große Sprühmenge, sondern ein reproduzierbares Sprühbild, das an Werkzeuggeometrie und thermischen Zustand angepasst ist.

Prozessübersicht

Formsprühen zwischen zwei Gießzyklen

In einer automatisierten Druckgusszelle fährt die Formsprüheinrichtung nach der Entnahme des Gussteils zwischen die geöffneten Werkzeughälften. Ein werkzeugspezifisches Sprühwerkzeug positioniert mehrere Düsen nahe an den vorgesehenen Formoberflächen.

Je nach Sprühkonzept kann der Ablauf aus Hochdruck-Ausblasen, kontrolliertem Trennmittelauftrag und einem abschließenden Nachblasen bestehen, bevor sich die Sprüheinrichtung wieder aus dem Werkzeugraum zurückzieht.

Technische Darstellung des Formsprühens im Druckguss mit geöffneter Form, Sprühdüsen, Trennmittelauftrag, Ausblasen und Nachblasen
Typischer Formsprühablauf im Druckguss: Das Sprühwerkzeug fährt zwischen die geöffneten Formhälften, entfernt lose Rückstände mit Blasluft, trägt Trennmittel in einem definierten Sprühbild auf und führt – falls erforderlich – ein Nachblasen durch, bevor es den Werkzeugraum wieder verlässt.
Werkzeugvorbereitung

Formsprühen erfüllt mehrere Aufgaben gleichzeitig

Das Druckgießwerkzeug ist während der Produktion wiederkehrenden thermischen und mechanischen Belastungen ausgesetzt. Nach dem Öffnen muss es vor dem nächsten Gießzyklus wieder in einen definierten Zustand gebracht werden.

Eine moderne Formsprüheinrichtung ist daher mehr als ein Gerät, das lediglich Flüssigkeit auf die Werkzeugoberfläche sprüht. Abhängig von der Anwendung übernimmt sie mehrere Funktionen.

01 · Trennen

Definierten Trennfilm erzeugen

Trennmittel wird auf ausgewählte Werkzeugbereiche aufgebracht, um die spätere Trennung des erstarrten Gussteils vom Werkzeug zu unterstützen.

02 · Reinigen

Lose Rückstände ausblasen

Blasluft kann lose Partikel, Tropfen und Rückstände aus Kavitäten, Konturen und schwer zugänglichen Werkzeugbereichen entfernen.

03 · Kühlen

Oberflächentemperatur beeinflussen

Der Sprühvorgang verändert auch den thermischen Zustand der geöffneten Werkzeugoberfläche und steht damit in Wechselwirkung mit der internen Temperierung.

04 · Schmieren

Bewegliche Werkzeugkomponenten behandeln

Je nach Werkzeug können Schieber und andere mechanisch belastete bewegliche Komponenten gezielt mit Schmiermittel versorgt werden.

Maschinenzyklus

Wann findet das Formsprühen statt?

Der Sprühvorgang liegt zwischen zwei Gießzyklen. Die Sprüheinrichtung darf den Werkzeugraum erst betreten, nachdem sich die Form geöffnet hat und das Gussteil entnommen wurde.

Bevor die Maschine wieder schließen darf, muss sich die Sprüheinrichtung vollständig zurückziehen und ihre definierte sichere Position erreicht haben.

01

Form öffnen und Gussteil entnehmen

Nach ausreichender Erstarrung öffnet die Form und das Gussteil wird aus dem Arbeitsbereich entfernt.

02

Sprühwerkzeug zwischen die Formhälften fahren

Formsprühmaschine oder Sprühroboter positionieren das Sprühwerkzeug zwischen den geöffneten Werkzeugflächen.

03

Form ausblasen

Hochdruck- beziehungsweise Prozessluft kann lose Rückstände und Tropfen aus kritischen Werkzeugbereichen entfernen.

04

Trennmittel auftragen

Die Düsen bringen Trennmittel entsprechend des programmierten Sprühbildes auf die definierten Werkzeugbereiche auf.

05

Bei Bedarf nachblasen

Abhängig vom Sprühverfahren kann zusätzliche Blasluft verbleibende Flüssigkeit reduzieren, bevor sich das Sprühwerkzeug zurückzieht.

06

Zurückfahren und Maschine freigeben

Sobald die Sprüheinrichtung ihre sichere Parkposition erreicht, kann die Druckgießmaschine mit dem nächsten Zyklus beginnen.

Zonenbezogene Behandlung

Warum das Sprühbild wichtiger ist als die gesamte Sprühmenge

Ein Druckgießwerkzeug ist weder geometrisch noch thermisch über seine gesamte Fläche identisch. Kavitäten, Kerne, Schieber, tiefe Konturen und lokal stark belastete Bereiche können unterschiedliche Mengen an Trennmittel, Luft und Kühlwirkung benötigen.

Ein gut ausgelegtes Sprühwerkzeug behandelt deshalb nicht zwangsläufig jede Oberfläche mit derselben Menge. Düsen oder Düsengruppen können so positioniert werden, dass definierte Werkzeugzonen gezielt versorgt werden.

Mehr Trennmittel verbessert den Prozess nicht automatisch. Ziel ist ein ausreichender Trennfilm an den notwendigen Stellen, ohne unnötige Ansammlungen in anderen Bereichen der Form.

Besonders sensibel sind Entlüftungsbereiche. Überschüssige Rückstände sollten Entlüftungen und Überläufe nicht beeinträchtigen, da diese während der Formfüllung zuverlässig funktionieren müssen.

Sprührezept

Welche Parameter bestimmen einen reproduzierbaren Sprühprozess?

Das geeignete Sprühprogramm hängt vom Werkzeug, der Gussteilgeometrie, der Legierung, Werkzeugtemperatur, dem verwendeten Trennmittel und der gewünschten Zykluszeit ab.

Parameter Aufgabe im Sprühprozess
Bewegungsbahn Position, Einfahrtiefe, Geschwindigkeit und Verweilzeit bestimmen, welche Werkzeugbereiche erreicht werden.
Sprühzeit Die Öffnungszeit der Ventile beeinflusst, wie lange einzelne Bereiche behandelt werden.
Trennmittelmenge Versorgungsbedingungen, Mischungsverhältnis, Düsengeometrie und Ventilsteuerung beeinflussen den tatsächlichen Auftrag.
Zerstäuberluft Luftdruck und Düsengeometrie beeinflussen Tropfenbildung und Sprühverteilung.
Blasluft Ausblasen und Nachblasen können Rückstände und verbleibende Flüssigkeit von der Werkzeugoberfläche entfernen.
Zonensteuerung Einzelne Düsen oder Düsengruppen können unterschiedliche Bereiche unabhängig behandeln.
Thermische Wechselwirkung

Formsprühen und Werkzeugtemperierung wirken zusammen

Das thermische Management eines Druckgießwerkzeugs erfolgt nicht ausschließlich über interne Temperierkanäle. Auch das Sprühen verändert den thermischen Zustand der frei liegenden Werkzeugoberfläche.

Interne Temperierung und äußere Sprühbehandlung sollten deshalb gemeinsam betrachtet werden. Ein bereits intensiv intern gekühlter Werkzeugbereich kann eine andere Oberflächenbehandlung benötigen als eine thermisch hoch belastete Zone.

Mehr über das thermische Verhalten des Werkzeugs erklären wir in Temperierung im Druckguss .

Sprühtechnik

Welche Bauarten von Formsprüheinrichtungen gibt es?

Die geeignete Bauart hängt unter anderem von Werkzeuggröße, Maschinenlayout, verfügbarem Arbeitsraum, Zykluszeit und Komplexität des Sprühbildes ab.

1 Achse

Einachsige Formsprühmaschinen

Eine definierte lineare Bewegung positioniert das Sprühwerkzeug entlang einer festen Bahn. Diese Bauart eignet sich für vergleichsweise einfache und klar definierte Sprühaufgaben.

2 Achsen

Zweiachsige Formsprühmaschinen

Vertikale und horizontale Bewegung ermöglichen eine flexiblere Positionierung des Sprühwerkzeugs innerhalb der geöffneten Form.

Roboter

Sprühroboter

Mehrachsige Industrieroboter können komplexere programmierte Bewegungsbahnen abfahren und unterschiedliche Sprühpositionen erreichen.

Pneumatisch

Pneumatische Sprüheinrichtungen

Pneumatische Systeme ermöglichen einfache, reproduzierbare Hubbewegungen und können für kompakte Sprühanwendungen eingesetzt werden.

Düsen und Medienverteilung

Das Sprühwerkzeug bestimmt, was tatsächlich auf der Form ankommt

Selbst eine präzise Formsprühmaschine kann nur dann einen reproduzierbaren Prozess liefern, wenn das Sprühwerkzeug zur Werkzeugkontur und zur erforderlichen Medienverteilung passt.

Abhängig von der Bauart kann das Sprühwerkzeug mehrere Düsengruppen und getrennte Medienkreise enthalten. Diese können Trennmittel, Zerstäuberluft und Blasluft zu definierten Positionen führen.

Die Düsenanordnung bestimmt Sprührichtung, Sprühkegel und Verteilung auf der Werkzeugoberfläche. Deshalb wird das Sprühwerkzeug normalerweise auf die konkrete Form und Gussanwendung abgestimmt.

FISS Sprühtechnik

Welche Formsprühtechnik bietet FISS?

FISS handelt mit gebrauchten Formsprühmaschinen, Sprüheinrichtungen, Sprühwerkzeugen und zugehöriger Peripherie für Kaltkammer- und Warmkammer-Druckgussanlagen.

Je nach aktuellem Bestand umfasst das Angebot einachsige und zweiachsige Maschinen, servoangetriebene Sprüheinrichtungen, pneumatische Systeme, Sprühroboter, Sprühwerkzeuge und Komponenten für die Trennmittelversorgung.

Im Bereich der Kaltkammer-Automation finden sich je nach Verfügbarkeit Maschinen und Komponenten etablierter Hersteller wie Wollin, Gerlieva, Acheson, Pomac und Böhmer.

Kaltkammer

Formsprühmaschinen und Sprühroboter

FISS bietet unterschiedliche automatisierte Sprühlösungen für Kaltkammer-Druckgießmaschinen sowie passende Sprühwerkzeuge und Peripherie.

Gebrauchte Formsprühmaschinen ansehen

Warmkammer

Kompakte und pneumatische Sprühsysteme

Für Warmkammer-Anwendungen können kompakte oder pneumatische Sprüheinrichtungen zur automatisierten Formbehandlung eingesetzt werden.

Warmkammer-Formsprühanlagen ansehen

Einzelne Sprühwerkzeuge und weitere Komponenten können auch für Umrüstungen oder komplette Druckgusszellen eingesetzt werden.

Gebrauchte Sprühtechnik

Worauf sollte man beim Kauf einer gebrauchten Formsprühmaschine achten?

Hersteller und Baujahr allein reichen für die Auswahl nicht aus. Arbeitsbereich, Bewegungsachsen, Sprühwerkzeug, Medienversorgung und Steuerung müssen zur neuen Druckgießmaschine und zum Werkzeug passen.

  • vertikaler und horizontaler Hub
  • Anzahl und Bauart der Bewegungsachsen
  • Einfahrtiefe in den Werkzeugraum
  • zulässiges Gewicht des Sprühwerkzeugs
  • Zustand von Führungen, Lagern, Riemen und Antrieben
  • Sprühwerkzeug und Düsenanordnung
  • Trennmittelkreisläufe und Medienversorgung
  • Zerstäuberluft und Blasluft
  • Ventile, Druckregler und Durchflussregelung
  • Steuerung und vorhandene Sprühprogramme
  • Schnittstellen zur Druckgießmaschine
  • Parkposition und sichere Endlagen
  • Trennmittelbehälter und Pumpensystem
  • Schaltschrank und technische Dokumentation
Eine gebrauchte Formsprühmaschine wird selten unverändert in eine neue Anwendung übernommen. Sprühwerkzeug, Bewegungsbahn, Programme und Medienparameter müssen in der Regel an Druckgießmaschine, Werkzeuggeometrie und verwendetes Trennmittel angepasst werden.
Druckgusszelle

Die Formsprühmaschine arbeitet nicht isoliert

Sprühvorgang, Gussteilentnahme, Metalldosierung, Werkzeugtemperierung und Maschinenbewegung müssen innerhalb einer automatisierten Druckgusszelle zeitlich und räumlich aufeinander abgestimmt werden.

Besonders wichtig ist die sichere Freigabe des Werkzeugraums. Formsprüheinrichtung und Entnahmesystem können sich überschneidende Arbeitsbereiche nutzen und benötigen deshalb abgestimmte Maschinenabläufe und Sicherheitsfreigaben.

Einen Überblick über die komplette Produktionszelle finden Sie im Beitrag Automation in der Druckgusszelle .

Fazit

Ein guter Sprühprozess behandelt jeden Werkzeugbereich nur so intensiv wie nötig

Formsprühen ist ein fester Bestandteil des Druckgusszyklus. Die Sprüheinrichtung bereitet die Werkzeugoberflächen auf den nächsten Schuss vor und beeinflusst dabei Trennverhalten, Sauberkeit und thermischen Zustand der Form.

Entscheidend ist nicht die größtmögliche Sprühmenge, sondern ein kontrollierter Prozess mit geeigneter Düsenanordnung, Sprühzeit, Zerstäuberluft, Blasluft und reproduzierbarer Bewegung.

Formsprühen und interne Werkzeugtemperierung sollten deshalb gemeinsam betrachtet werden. Stabile Bedingungen für den nächsten Gießzyklus entstehen nur, wenn beide Systeme sinnvoll aufeinander abgestimmt sind.

Häufige Fragen

Fragen zum Formsprühen im Druckguss

Was macht eine Formsprühmaschine?

Sie behandelt die geöffnete Druckgießform zwischen zwei Gießzyklen. Je nach Anwendung trägt sie Trennmittel auf, bläst Rückstände aus, beeinflusst die Oberflächentemperatur und schmiert ausgewählte Werkzeugkomponenten.

Wann wird die Druckgießform gesprüht?

Nach dem Öffnen der Form und der Entnahme des Gussteils. Bevor die Maschine erneut schließen darf, muss sich die Sprüheinrichtung zurückziehen und ihre sichere Position erreichen.

Warum wird Trennmittel eingesetzt?

Trennmittel bildet einen definierten Film auf ausgewählten Werkzeugoberflächen und unterstützt die spätere Entformung des Gussteils.

Kühlt das Formsprühen die Druckgießform?

Ja, der Sprühvorgang kann die Temperatur der frei liegenden Werkzeugoberfläche beeinflussen. Er sollte deshalb gemeinsam mit der internen Werkzeugtemperierung betrachtet werden.

Was bedeutet Nachblasen?

Beim Nachblasen wird nach dem Trennmittelauftrag nochmals Luft auf die Werkzeugoberfläche geleitet. Je nach Sprühverfahren kann dadurch verbleibende Flüssigkeit reduziert werden, bevor das Sprühwerkzeug zurückfährt.

Was bestimmt das Sprühbild?

Wichtige Faktoren sind Düsengeometrie, Düsenposition, Trennmittelmenge, Zerstäuberluft, Sprühzeit, Bewegungsbahn und zonenspezifische Steuerung.

Kann eine gebrauchte Formsprühmaschine an einer anderen Druckgießmaschine eingesetzt werden?

Grundsätzlich ja. Arbeitsbereich, Achsen, Sprühwerkzeugaufnahme, Steuerung, Medienversorgung und Sicherheitskonzept müssen zur neuen Anwendung passen. Sprühwerkzeug und Sprühprogramm benötigen normalerweise eine Anpassung.

Sprühtechnik gesucht?

FISS bietet gebrauchte Formsprühmaschinen, Sprüheinrichtungen und Sprühwerkzeuge.

Das passende System muss zu Druckgießmaschine, Arbeitsbereich, Bewegungsachsen, Sprühwerkzeug, Düsenanordnung, Medienversorgung und Steuerung passen.

Quelle

Bührig-Polaczek, A.; Michaeli, W.; Spur, G. (Hrsg.): Handbuch Urformen, Carl Hanser Verlag. Berücksichtigt wurden insbesondere die Grundlagen zum Druckgießzyklus, zur Vorbereitung der Druckgießform, zu Trenn- und Schmiermitteln sowie zur Formbelüftung.